Schlechte Berichterstattung zum RockHard

Wie versprochen geht es heute um die schlechte Berichterstattung zum RockHard-Festival. Im Grunde sollte es mir völlig egal sein, wer was schreibt, denn ich war ja vor Ort und ich gehöre auch nicht zum RockHard-Team. Da aber scheinbar reine „Content“ generierende Berichterstattung derzeit zum guten Ton gehört und ich das nicht mag, möchte ich mich dazu äußern.

Meine Kritik bezieht sich auf das Live-Blog, das von Westropolis bzw. DerWesten ins Netz gestellt wurde. Gefunden habe ich das Blog, nachdem ich am Freitag selber kurzzeitig auf die Idee kam, dass ein Live-Blog oder Twitter vom RockHard-Festival doch ganz spaßig wäre für Leute ohne Karte, die zu weit weg wohnen oder die arbeiten müssen. Ich habe mir vorgestellt, dass man über den Tag verteilt kleine Infohäppchen ins Netz speist, die diese Leute, also vorwiegend Metaler, interessieren könnten. Mir fehlen derzeit das technische Equipment und das nötige Kleingeld für ausführliches mobiles Internetsurfen, sonst hätte ich es vielleicht probiert. Beispiele wie ich mir die Berichterstattung gedacht habe sind:

„D-A-D warten mit riesigem Bühnenbild, das bereits während Bullet noch spielen aufgebaut werden muss und gefühlten drölftausend Bässen auf“

„Skandal: UFO spielen kein Doctor Doctor“

„Wie zu erwarten tobt die Menge bei ‚Hall Of The Mountain King’“.

Das Westropolis Live-Blog liest sich dagegen eher: „Oh, die Band spielt gerade ein tolles Lied und der Typ vor mir schläft dabei.“

Selber nachzulesen für jeden Tag hier: Freitag; Samstag; Sonntag

Ich möchte meine Kritik gerne weiter konkretisieren. Die Live-Blogs wurden jeweils auf den Abend und die Akkulaufzeit eines Laptops beschränkt. Dabei rausgekommen ist zumeist die subjektive Beschreibung der Erlebnisse der Autorin während eines Headliners. Sonntags beschränkt sich das Live-Blog gar auf das Bloggen während der Karaoke Show. Kein Wort zum genialen Circlepit während Sacred Reich oder dem Aufbau des Adlers von SAXON. Ganz abgesehen von dem abermals gelungenen Auftritt.

Einige Aussagen innerhalb des Blogs lassen zudem die Vermutung aufkommen, dass die gute Frau vorher nur sehr rudimentär mit Metal in Berührung kam. Mein erster Klick fällt auf ihr Profil bei DerWesten. Leider stellt sich heraus, dass die Autorin völlig Profillos ist ihr Profil nicht weiter ausgefüllt hat. Weitere Recherche scheint meine Vermutung bezüglich der Musikerfahrung durchaus zu bestätigen.

Während ihres Interviews mit Holger Stratmann wird auch klar, dass ihre Recherche nicht allzu weit in die Vergangenheit des RockHard-Festivals reicht.

Ich möchte an dieser Stelle feststellen, dass es mir nicht daran gelegen ist die Autorin des Beitrages zu denunzieren, sondern eine augenscheinliche Fehlentscheidung bei DerWesten in Frage zu stellen.

Die ausführlichen Beiträge zu den einzelnen Tagen, die zusammen mit ihrem Kollegen und Fotografen entstanden sind, sprechen durchaus eine andere Sprache. Die Beiträge sind zwar, meiner Meinung nach, auch verbesserungswürdig, aber ich schreibe hier ja auch nicht auf Presseniveau. Wobei ich es von gelernten Journalisten erwarten würde. Das Profil des Kollegen ist übrigens reichhaltiger gefüllt, gibt auf Anhieb aber auch keine Ausführung der musikalischen Ausrichtung.

Der Fairness halber finden sich die Berichte zu jedem Tag hier: Freitag; Samstag; Sonntag

Mein Fazit zum Live-Blog: Eine gute Idee, die aber schlecht umgesetzt wurde. Demnächst bitte mehr und besseren Inhalt. Ich empfehle der Autorin dringend Nachhilfestunden bei ihren Freunden für das nächste Festival.

Subjektiv auf Westropolis gebloggt habe ich übrigens auch schon, dafür muss man kein Journalist sein. Hier der Beweis

Edit: Am 10. Juni 2009 letzten Satz entfernt und durch Link ersetzt.

~ von Graffi am 02/06/2009.

3 Antworten to “Schlechte Berichterstattung zum RockHard”

  1. Bloggen hat per se etwas höchst Subjektives und von daher finde ich es völlig legitim, wenn man sich zu Thema X äußerst, auch wenn Thema Y (anderes Konzert) objektiv vielleicht viel eher berichtenswert gewesen wäre.

    • Das mag soweit richtig sein, aber wenn ich ein Live-Blog vom RockHard-Festival suche, möchte ich da ganz bestimmt nicht nur etwas über die Karaokeshow lesen.
      Das wäre ja wie ein Live-Ticker bei der Bundesliga, in dem jemand NUR die Halbzeitpause kommentiert.

      Nachtrag 22:56:
      Was die Subjektivität anbelangt sollte ich vielleicht noch ergänzen, dass ich mich mit diesem Begriff vorwiegend auf die Beschreibungen der direkten Umgebung der Autorin beziehe. An und für sich ist es ganz Lustig über Menschen zu lesen, die bei der lauten Musik schlafen, Bier verschütten oder von jemandem mit Internetfähigem-Laptop die Fußballergebnisse wissen möchten. So ist ein Metal-Festival nunmal. Es sollte aber nicht den Großteil der Berichterstattung einnehmen oder dann zumindest für Aussenstehende kenntlich gemacht werden, dass es sich nicht unbedingt um zufällige Ausnahmen handelt.

    • Natürlich hat bloggen per se etwas höchst subjektives. Feuilletons und Meinungsteile haben dies auch. Dennoch stellt sich immer die Frage nach der Relevanz des Geschriebenen – auch beim bloggen. Sehen Sie, ich persönlich lese nur einen Blog regelmäßig, das ist jener von Paul Krugman. Viele seiner Kommentare darin sind alles andere als objektiv, dennoch ist es sehr informativ was er schreibt.
      Natürlich bin ich mir darüber vollkommen im Klaren, dass die WAZ keine großen Ansprüche an sich und ihre Leserschaft stellt, doch sollte zumindest eine gewisse Restrelevanz gwahrt bleiben.

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